Ich traue mich – Intro-Kurse für das Spinning Programm

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Ich traue mich – Intro-Kurse für das Spinning Programm

Warum sind in manchen Fitness-Clubs die Spinning Kurse bestens besucht und haben selbst bei 14 Trainingseinheiten im Stundenplan Auslastungsquoten von über 80%? Die einfachste Antwort wäre, dass dort die Mitglieder eine höhere Radsportbegeisterung mitbringen und den hohen Bedarf an Kursangeboten wecken. Die spannende Frage ist nun, ob diese Begeisterung genetisch bedingt ist oder durch geschickte Mitglieder- und Kurskonzepte gefördert wird.

Bedürfnisse wecken

Irgendwann, so könnte man meinen, hat jeder schon einmal von den Trainingsmöglichkeiten auf einem stationären Bike gehört. Wie Indoor-Cycling (als Oberbegriff) oder wie das Spinning Programm funktioniert und was es tatsächlich an Resultaten bringt. Das erstaunliche ist, dass nur vage Vorstellungen über die Inhalte und den Ablauf bestehen. Vom Hören-Sagen gibt es alles an Meinungen und Interpretationen, die sowohl von vielen verschiedenen „Trainings-Philosophien“ rühren, als auch von allgemeinen Erfahrungsberichten. Diese führen je nachdem zu Ablehnung, Gleichgültigkeit oder Antrieb. Hält man sich im Gegensatz dazu die vielen positiven Trainingsergebnisse vor Augen, müsste eigentlich ein viel höherer Prozentsatz an Mitgliedern diese Kurse besuchen. Wie wichtig und wünschenswert ist ein gesundes HKL-System, ausbalancierter Stoffwechsel, körperformende Muskulatur und wie wünschenswert sind gesunde Gelenke bei einem schlanken Körper? Und jeder kann sofort und nahezu ohne Einschränkung dabei sein. Es lohnt sich darüber zu sprechen, es zu zeigen und den Bedarf für dieses geniale Training zu wecken.

Einfache Möglichkeiten Bedarf zu wecken:

  • Das Rezeptionsteam kennt alle Vorzüge und kann das Wichtigste erklären
  • Bilder von erfolgreichen Spinning Teilnehmern im Eingangsbereich
  • Spinner Bikes auf der Cardio-Fläche
  • Floor Trainer empfehlen Spinning als zusätzliches Cardio- oder H.I.I. Training

Erwartungshaltung verstärken

Werfen wir nur einmal einen Blick in ein Kaufhaus. Es gibt drei verschiedene potentielle Kunden –alle bringen einen grundsätzlichen Basisbedarf mit. Da ist die Fraktion „Shopping – einfach mal schauen“, die Fraktion „suchen“ und die Fraktion „ich weiß schon, was ich will“. Den Rest der Geschichte kennen wir … „wie kann ich Ihnen helfen?“ …

Nun wieder zurück zum Spinning Programm. An dieser Stelle kommt nun der Spezialist, der Fachmann ins Spiel und bietet einen ausgeschriebenen Intro-Kurs oder eine individuelle Beratung an.

Organisation von Spinning Intro-Kursen

Im Stundenplan steht sehr oft die Einteilung in Trainingseinheiten für Anfänger und Fortgeschrittene. Lange Rede, Anfängerkurse sind nur gut besucht, so lange Anfänger vorhanden und interessiert sind oder die Stunden füllen sich eines Tages mit „Fortgeschrittenen Anfängern“. Dann ist es kein Anfängerkurs mehr und die Interessen und erwarteten Stundenprofile driften auseinander. Wichtig ist es, dass die Erwartungshaltung, die der Stundentitel weckt, erfüllt wird.

Die schnelle Schlussfolgerung: Eine bedarfsgerechte Ausschreibung und Organisation von Einführungskursen ist sehr viel besser und kann besonders hervorgehoben und variabel angeboten werden. Bedarf, Angebot und erfüllte Erwartungshaltung decken sich und Gleichgesinnte treffen sich. Und das bringt aus Erfahrung sehr gute Ergebnisse.

Betrachten wir Spinning als Trainings- und Businesskonzept, dann benötigt es Standardisierung. Als standardisierter Prozess installiert, wird es zum Erfolg für alle: „Wie werden unsere Mitglieder zu einem erfolgreichen Spinning Training geleitet?“

Die Ausschreibung könnte folgendermaßen lauten:
90 Minuten Spinning Einführung. Das Kurz-Seminar für alle, die erfolgreich trainieren wollen! Unser Team informiert Sie gerne über weitere Details und reserviert Ihnen eine Teilnahme am:

Ein Hinweis-Poster am „Schwarzen Brett“ ist das eine. Eine aktive Bewerbung und als Bestandteil der kompetenten Trainingsberatung wird in den Zeiten der höchsten Mitgliederzuwächse im Jahr diese Einführungskurse mit Leichtigkeit füllen.

Durchführung

Der Seminarraum oder der Spinning Raum ist mit folgenden Utensilien ausgestattet:

  • Flipchart
  • Beamer / Leinwand / Präsentation
  • Sitzgelegenheit
  • Gewartete und auf Hochglanz polierte Spinner Bikes
  • Herzfrequenz- und Energy-Zone Poster (Kopiervorlagen aus dem Spinning Instructor Manual)
  • Bike Fit Tool zur Bestimmung der Kniewinkel

Musik und Licht machen vorweg eine angenehme Atmosphäre. Der Raum ist einladend.

Agenda:

  • Historie des Indoor Cyclings. Spinning, der Erfinder!
  • Trainingswirkungen auf
    • Herz-Kreislauf-System
    • Arbeits- und Stütz-Muskulatur
    • Stoffwechsel
    • Energie-Umsatz
    • Ausdauer (mit Kraft)
    • Kraft (mit Tempo)
  • Trainingsziele und Trainings-Zonen
  • Möglichkeiten zur Intensitätsbestimmung
    • HF-Messgerät
    • RPE Skala
    • Atmung
    • Leistungsmessung (Watt) wenn Chrono Power Bikes vorhanden
  • Fragen – Antworten
  • Sicherheit / Bike-Einstellung / Funktionalität
    • Feste Standposition / Schwungscheibe / Starrlauf / Bremse / Notbremse / Pedalsysteme
    • Sitzhöhe, Sitzposition, Lenkerhöhe und -position
    • Griffmöglichkeiten, Pedalbewegung, Widerstand
  • Funktionelle Fahrtechniken im Flachland und im Bergland
  • Trainingsübersicht über z.B. 12 Wochen
  • Spinning Einheit mit 5 Basis-Techniken – 30 Minuten
  • Fragen – Antworten – Loben!

Eine Persönliche Begrüßung und einen kleinen Willkommens-Drink nimmt das Unterbewusstsein lobend und anerkennend auf.

Der Spinning Einführungskurs besteht aus einem Präsentationsteil mit Trainings-Inhalten, Fakten, Versprechen, Lösungen, Beschreibungen und Begeisterung. Die Punkte zur Intensitätsbestimmung können mit praktischen Beispielen, mit geliehenen Pulsmessgeräten und intensiven (kreativen) Bewegungsbeispielen nahegebracht werden. Der Praxisteil beginnt mit dem Bike-Set-Up. Demonstration der einzelnen Einstellschritte im voraus und dann können die Mitglieder gleich partnerweise die gelernten Regeln umsetzen und sich gegenseitig kontrollieren und bestätigen.

Für die 25 – 30 Minuten Praxis-Einheit empfehle ich 5x5min Songs mit einem zusätzlichen und lockeren Cool-Down Lied zum Schluss. Die Musik beschreibt abwechselnd das Fahren im Flachland im Sitzen, Bergland im Sitzen, Flachland mit stehenden Passagen (Running), Bergland mit stehenden Passagen (Wiegetritt) und Flachland mit dynamischen stehenden Passagen (Jumps). Cool-Down.

Ziel erreicht

Warum jetzt schon das Ziel erreicht ist, wahrscheinlich schon mehrere Ziele erreicht sind, liegt auf der Hand. Realistische Erwartungshaltungen wurden geweckt oder bestätigt.

Die Teilnehmer bringen für die erste reguläre Spinning Stunde alles an Grundwissen und Basis-Erfahrung mit. Der leitende Instruktor kann sich darauf verlassen und wird mit seinem Coaching und Feedback die „Anfänger“ in bestehende Gruppen integrieren können. Die Teilnehmer haben im Intro-Kurs erfahren, dass Widerstand und Trittfrequenz die Kernelemente zur individuellen Intensitäts-Steuerung sind. Sie haben Spinning in diesem Zusammenhang als Eigenverantwortliches Training erfahren. 

Seit dem Intro-Kurs haben sich Mitglieder mit gleichen Interessen kennengelernt und bringen für die erste Stunde viel Vertrauen mit. Sie kennen sich und kennen sich aus.

Die Trainer folgen dem Prinzip: „TALK THE WALK“ und „WALK THE TALK“. Das kreiert Verbindlichkeit und macht es einem Team leicht an einem Strang zu ziehen. Konzepte werden dadurch konsequent angewendet und führen alleine dadurch zum Erfolg.

Es entstehen Synergien zwischen dem Rezeptions-Team, Floor-Trainern und Group-Fitness-Trainern. Alle haben verstanden, dass nur das funktionierende Gesamtangebot den größten Nutzen für alle bringt. Für den Betreiber – für die Trainer – für die Mitglieder.

Denn alle wollen immer nur das Eine: Freude und FREUDE am ERFOLG!

Author Information

von Martin Timmermann, Dezember 2017

Martin ist Dipl. Sportwissenschaftler (Univ.), Spinning Master Instruktor sowie Power Specialist Master Trainer und seit 18 Jahren internationaler Ausbilder und Referent für das Spinning Programm. Für den Konzern Amer Sports mit der Marke PRECOR ist Martin als Strategic Account und Category Manager tätig.